Das hier ist keine Anleitung zum „jetzt helfe ich mir selbst“!
Der Beitrag hat einfach nur den Sinn, die magische Blackbox „Elektroherd“ elektrisch ein wenig auf die Tatsachen zu reduzieren!
So ein E-Herd ist kein Gerät, an dessen Anschluss sich jeder Heimwerker versuchen sollte. Wer keine entsprechende elektrotechnische Fachkenntnis besitzt, hat an den elektrischen Anschlüssen nichts verloren. Darüber hinaus gelten für Arbeiten an der festen Elektroinstallation gesetzliche Vorgaben, unter anderem nach § 13 NAV.
Wer also nicht darf oder nicht weiß, was er tut, lässt die Finger davon. Hier geht es ohnehin nicht um eine Anschlussanleitung, sondern darum, die Technik dahinter verständlich zu erklären.
Ich schreibe hier also eher für diejenigen, die einen Herd ohnehin nicht selbst anschließen sollten, aber vielleicht verstehen möchten, warum welche Leitung wo angeschlossen wird, was die ganzen Brücken eigentlich sollen und, vielleicht noch wichtiger, was auf keinen Fall miteinander verbunden werden darf!
Was ist denn nun so geheimnisvoll an einem Herd?
Ich bin ja nun auch Elektroniker und natürlich weiß ich, wie ein Herd angeschlossen wird. Das ist zwar nicht ganz so spannend wie ein Mikrocontroller, der irgendwas blinken lässt, im Haushalt aber durchaus nützlich. Und das nicht nur im eigenen. ![]()
Jedenfalls habe ich schon oft festgestellt, dass viele Menschen regelrecht Angst vor dem elektrischen Anschluss eines Herdes haben.
Da fallen Begriffe wie Drehstrom, Starkstrom, Dreiecksschaltung oder irgendwelche geheimnisvollen Brücken auf der Rückseite des Gerätes. Das klingt für manchen offenbar nach einer Wissenschaft für sich, obwohl die Sache vom Prinzip her gar nicht so kompliziert ist.
Dröseln wir das Ganze also mal auf und schauen, was da eigentlich passiert.
Drei Steckdosen, drei Stromkreise
Auf dem Bild sind drei ganz normale Schutzkontaktsteckdosen zu sehen. Jede ist über einen eigenen Leitungsschutzschalter (B16) abgesichert und wird von einem anderen Außenleiter versorgt: L1 (braun), L2 (schwarz) und L3 (grau).
Dazu kommen der gemeinsame Neutralleiter N (blau) und der Schutzleiter PE (grün-gelb). An jeder Steckdose stehen zwischen dem jeweiligen Außenleiter und N ganz gewöhnliche 230 Volt zur Verfügung.
Bis hierhin also nichts Geheimnisvolles. Drei Steckdosen, drei Sicherungen und drei ganz normale 230-Volt-Anschlüsse.
Drei Geräte, ein Herd
Stellen wir uns nun drei völlig eigenständige Geräte vor: zwei einzelne Doppelkochplatten und einen separaten Backofen ohne Kochfeld. Der Backofen sieht auf dem Bild vielleicht wie ein kompletter Herd aus, soll aber tatsächlich nur den Backofen darstellen.
Alle drei Geräte haben jeweils einen eigenen 230-Volt-Anschluss mit Schukostecker und stecken in einer der zuvor gezeigten Steckdosen.
Und genau diese drei Geräte stecken, vereinfacht gesagt, in einem einzigen Gehäuse: dem gemeinen Standherd! ![]()
Ob dabei klassische Kochplatten oder Heizkörper unter einer Glaskeramikfläche (Ceran) zum Einsatz kommen, spielt für unser Beispiel keine Rolle. Induktionskochfelder funktionieren zwar intern anders, am grundsätzlichen Gedanken der Stromversorgung ändert das aber nichts. Die konkrete Anschlussart hängt ohnehin vom jeweiligen Gerät ab (RTFM).
Aus drei Steckern wird ein Anschlussfeld
Jetzt nehmen wir unsere drei Einzelgeräte und bauen sie, wie bereits erwähnt, in ein gemeinsames Gehäuse. Die drei Schukostecker lassen wir weg und führen die elektrischen Anschlüsse stattdessen auf eine gemeinsame Klemmleiste an der Rückseite unseres Herdes.
Am Prinzip ändert sich erst einmal nichts. Unsere beiden Doppelkochplatten und der Backofen benötigen weiterhin ihre 230 Volt. Im einfachsten Fall versorgen L1, L2 und L3 jeweils eine der drei Verbrauchergruppen, während Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE) ebenfalls angeschlossen werden.
Und schon sind wir bei den geheimnisvollen Brücken angekommen, die man an solchen Anschlussleisten häufig findet.
Was machen diese Brücken eigentlich?
Eine Brücke ist zunächst nichts anderes als eine elektrisch leitende Verbindung zwischen zwei oder mehreren Anschlussklemmen. Sie sorgt dafür, dass mehrere Anschlüsse gemeinsam versorgt werden können.
Stehen unserem Herd drei Außenleiter zur Verfügung, können die drei Verbrauchergruppen auf L1, L2 und L3 verteilt werden. Zwischen den entsprechenden Außenleiterklemmen sind dann keine Brücken nötig.
Stehen dagegen nur zwei Außenleiter zur Verfügung, können bei einem dafür vorgesehenen Herd zwei Verbrauchergruppen gemeinsam über einen Außenleiter versorgt werden. Die entsprechenden Anschlussklemmen werden dann durch eine Brücke verbunden.
Bei einem Anschluss mit nur einem Außenleiter funktioniert das Prinzip genauso. Hier werden alle dafür vorgesehenen Außenleiterklemmen miteinander verbunden und gemeinsam versorgt.
Allerdings bedeutet das nicht, dass jeder Herd mit jeder Anschlussart betrieben werden darf. Je mehr Verbraucher sich einen Außenleiter teilen, desto höher kann dessen Strombelastung werden. Ob eine Anschlussart zulässig ist, hängt deshalb auch von der Leistung des Herdes und der vorhandenen Elektroinstallation ab.
Und was ist mit dem Neutralleiter?
Auch beim Neutralleiter kann eine Brücke notwendig sein. Manche Herde besitzen beispielsweise zwei getrennte Anschlussklemmen für N, etwa für unterschiedliche interne Verbrauchergruppen.
Wird der Neutralleiter über eine gemeinsame Zuleitung bereitgestellt, müssen diese beiden Klemmen bei entsprechendem Anschlussschema miteinander verbunden werden. Genau das war übrigens auch bei meinem Herd für die Versorgung von Kochfeld und Backofen notwendig.
Eine solche N-Brücke kann also selbst dann erforderlich sein, wenn L1, L2 und L3 einzeln angeschlossen sind. Sie hat mit der Anzahl der verwendeten Außenleiter erst einmal nichts zu tun.
Die Position der Brücken ist allerdings nicht bei jedem Gerät gleich. Deshalb gibt es auf den Herden ein Anschlussschema, das genau zeigt, welche Klemmen miteinander verbunden werden müssen und welche auf keinen Fall.
Besonders wichtig: Zwei unterschiedliche Außenleiter dürfen niemals einfach miteinander gebrückt werden. Ebenso darf der Neutralleiter nicht mit dem Schutzleiter verbunden werden. Die Brücken gehören ausschließlich an die vom Hersteller vorgesehenen Stellen.
230 Volt, 400 Volt und das Geheimnis der drei Phasen
Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, warum überhaupt von einem 400-Volt-Anschluss gesprochen wird, wenn unsere drei gedachten Einzelgeräte doch ganz gewöhnlich mit 230 Volt funktionieren.
Das ist eigentlich schnell erklärt. Zwischen einem Außenleiter (L1, L2 oder L3) und dem Neutralleiter (N) liegen in unserem Stromnetz normalerweise 230 Volt an. Zwischen zwei unterschiedlichen Außenleitern, beispielsweise L1 und L2, sind es dagegen 400 Volt.
Unsere Kochplatten und der Backofen benötigen in diesem Beispiel aber keine 400 Volt. Jeder dieser Verbraucher wird zwischen einem Außenleiter und dem Neutralleiter betrieben und erhält damit seine gewohnten 230 Volt. Eben so, wie es bei jedem Gerät an der normalen Steckdose auch ist, der Herd „weiß“ nichts davon, dass er drei Geräte in einem ist. Im Prinzip werden für ihn einfach drei einzelne Anschlüsse erzeugt aus dem, was im Haus ohnehin vorhanden ist.
Auch die normalen Steckdosen im Haus werden jeweils über einen Außenleiter und den Neutralleiter mit 230 Volt versorgt. Wie die einzelnen Stromkreise auf die Außenleiter verteilt sind, merkt man im Alltag normalerweise gar nicht. Außer als Elektriker vielleicht … ![]()
Die Bezeichnungen 1N~, 2N~ und 3N~ auf den Anschlussbildern sagen uns also zunächst nur, ob ein, zwei oder drei Außenleiter zusammen mit dem Neutralleiter zur Versorgung verwendet werden. Das Zeichen ~ steht dabei für Wechselspannung.
Warum dann überhaupt drei Außenleiter?
Ganz einfach: Weil sich die elektrische Leistung so besser verteilen lässt. Nehmen wir als Beispiel einen Herd mit insgesamt 9.000 Watt Anschlussleistung.
Würden wir diese Leistung vollständig über einen einzigen Außenleiter bei 230 Volt beziehen, kämen wir auf rund 39 Ampere. Verteilen wir dieselbe Leistung dagegen gleichmäßig auf drei Außenleiter, sind es nur noch etwa 13 Ampere pro Außenleiter.
Das ist natürlich eine vereinfachte Rechnung. In einem echten Herd sind die Leistungen der einzelnen Verbrauchergruppen nicht unbedingt gleich groß und auch nicht immer alle gleichzeitig eingeschaltet.
Jetzt wird auch klar, weshalb die Möglichkeit, mehrere Anschlussklemmen miteinander zu brücken, noch lange nicht bedeutet, dass jeder Herd einfach an einer gewöhnlichen, mit 16 Ampere abgesicherten Leitung betrieben werden kann.
Was auf keinen Fall passieren darf
Bei den Brücken gibt es einen ganz entscheidenden Unterschied: Es ist etwas völlig anderes, mehrere Klemmen gemeinsam mit demselben Außenleiter zu versorgen, als zwei unterschiedliche Außenleiter miteinander zu verbinden.
Werden beispielsweise L1 und L2 miteinander gebrückt, obwohl beide mit unterschiedlichen Außenleitern der Hausinstallation verbunden sind, entsteht ein Kurzschluss zwischen diesen Außenleitern. Zwischen ihnen liegen schließlich 400 Volt!
Ebenso wenig darf der Neutralleiter einfach mit einem Außenleiter oder dem Schutzleiter verbunden werden. Der Schutzleiter (PE) hat eine eigene Aufgabe und bleibt am Herdanschluss grundsätzlich getrennt vom Neutralleiter.
Welche Klemmen gebrückt werden müssen oder dürfen, steht deshalb im Anschlussplan des jeweiligen Gerätes. Die hier gezeigten Beispiele erklären das Prinzip, ersetzen aber keinesfalls diesen Plan ![]()
Zum Schluss noch einmal ganz deutlich!
Dieser Beitrag ist keine Anleitung zum Anschließen eines Elektroherdes. Er ist lediglich mein Versuch, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und verständlich zu erklären, was hinter den verschiedenen Anschlussarten und den geheimnisvollen Brücken steckt.
Wer nicht weiß, was PE, N, Außenleiter und Co. bedeuten, sollte beim Herdanschluss nur ein einziges Werkzeug benutzen: das Telefon, um jemanden anzurufen, der das alles weiß!
Es ist schließlich ein Unterschied, ob man verstehen möchte, wie etwas funktioniert, oder ob man selbst daran herumschraubt. Und bei einem Elektroherd kann dieser Unterschied ziemlich entscheidend sein.
Ach ja, sämtliche Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt. Ich hatte nämlich keine Lust, extra meinen eigenen Herd auseinanderzunehmen, nur um ein paar Fotos zu machen. ![]()
Noch etwas: Ich weiß, dass es Sonderfälle gibt, bei denen vielleicht nur vier Adern aus der Wand kommen oder was weiß ich, darum geht es hier aber nicht. Hier ging und geht es nur darum, zu veranschaulichen, warum der Herd nichts davon weiß, dass er auf 3 Phasen angeschlossen ist!
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